Essen und Trinken

Samgyeopsal (koreanisches BBQ)

Gestern hatten mein Freund und ich 300-tägiges. Das ist für Deutschland schon ungewohnt genug, immerhin zählen wir höchstens die Jahre. In Korea gibt es zudem für alles eine App – so kam es, dass ich morgens an unseren besonderen Tag erinnert wurde. Am 100. Tag bekam ich übrigens einen Ring geschenkt – typischerweise trägt man ab diesem Zeitpunkt Pärchenringe und macht die Beziehung vor Freunden öffentlich. Den 200. Tag haben wir beide vergessen, ha! So ernst nehmen wir das Ganze also nicht :).

Taemin und ich haben uns gestern ausnahmsweise mal unter der Woche getroffen und sind essen gegangen. Dazu muss man sagen, dass wir zwar in der gleichen Stadt wohnen, diese jedoch über 10 Millionen Einwohner hat. Von daher ist es kein Wunder, dass mein Freund und ich 1,5 Stunden voneinander entfernt leben. Aus diesem Grund treffen wir uns normalerweise nur am Wochenende.

Eine Gemeinsamkeit stellten Taemin und ich schnell fest: Wir haben beide eine Vorliebe für Samgyeopsal. Bevor ich nach Korea kam, hatte ich noch nie etwas von diesem Gericht gehört. Mittlerweile bin ich süchtig und wäre es nicht so fettig, dann würde ich es wohl viel öfter essen!

Im Grunde handelt es sich bei Samgyeopsal um regulären Frühstücksspeck, jedoch ist das Fleisch wesentlich dicker geschnitten. Klingt irgendwie eklig, oder? Ganz ehrlich, in Deutschland war ich der wählerischste Fleischesser überhaupt und habe jeden winzigen Fettrand abgeschnitten oder ganze Filets liegen gelassen, weil irgendetwas komisch aussah. In Korea hat sich da so Einiges geändert; es fing an als ich feststellte, dass ich in diesem Land nicht drumherum komme, mal einen Knochen im Fleisch anzutreffen. Von Sehnen und Knorpel mal ganz abgesehen… Dazu muss ich allerdings sagen: ALLE meine westlichen Freunde hier lieben koreanisches BBQ! Es ist definitiv einen Versuch wert.

Im Restaurant wird Samgyeopsal zumeist roh serviert und man grillt es sich auf einem eingebauten Tischgrill. Besonders liebe ich die unzähligen Beilagen, welche zum Samgyeopsal serviert werden. Zu nennen sind grüner Salat, Nudelsalat, Sesamblätter, eingelegter Bärlauch, Kimchi, grüne Pfefferschoten, Pilze, rohe marinierte Zwiebeln, Knoblauch, gesalzene und fermentierte mini-Shrimp  und Soßen, üblicherweise Ssamjang (ein Mix aus Sojabohnen-Paste, scharfer Pfefferschoten-Paste, Sesamöl und Gewürzen) und Gireumjang (ein Mix aus Sesamöl, Salz und schwarzem Pfeffer).

Jeder Esstisch besitzt eine Schublade, in welcher sich Essstäbchen, Löffel und Servietten befinden. Außerdem erhält man eine Schere, mit welcher das Fleisch und jegliches anderes Essen geschnitten wird.

Das Schweinefleisch wird im eigenen Fett gegrillt. Auch Zutaten wie Knoblauch, Kimchi, Sojasprossen und Pilze kann man auf den Grill schmeißen, falls man sie nicht roh essen möchte. Ich liiiiiebe gegrilltes Kimchi!

Wenn das Fleisch einigermaßen durchgebraten ist, schneidet man es mit der Schere in Stücke. Ich mag mein Fleisch crispy, während Taemin es nur leicht gegrillt bevorzugt. Der Prozess des Samgeopsal-grillens klingt kompliziert, ist er aber nicht. Samgyeopsal zu essen ist allerdings eine Wissenschaft für sich – zumindest für uns Europäer.

Und so gehts:

  • Man legt ein Salat- oder Sesamblatt in die geöffnete Handfläche.
  • Dann legt man ein Stück Fleisch auf das Blatt.
  • Anschließend fügt man beliebige Zutaten hinzu. Mein Favorit: ein kleines Stück gegrillter Kimchi, eine Essstäbchen-Spitze Ssamjang, Sojasprossen und 1-2 Shrimp. Nach Bedarf kann man auch Reis auf dem Blatt platzieren.
  • Zuletzt rollt man das Blatt ein und stopft es sich in den Mund. Ja, das ganze Blatt mitsamt der Füllung.
  • Das Essen wird üblicherweise mit Soju abgerundet.

Tipp: Belegt euch das Blatt anfangs nicht zu sehr oder teilt die großen Salatblätter in 2 Teile. Wenn ihr das Blatt faltet, dann stopft es mit der geöffneten Seite zuerst in den Mund; ansonsten fällt hinten alles raus.

Samgyeopsal-Restaurants gibt es überall in Korea. Man erkennt sie an den kleinen Grills auf bzw. in den Tischen. Die Beilagen variieren von Restaurant zu Restaurant. Sie lassen sich beliebig oft nachfüllen – hierfür steht entweder ein „self service“-Tisch bereit oder man bittet den Kellner um Nachschub (..wie überall sollte man dies jedoch nicht überstrapazieren..). Um den Kellner zu rufen, findet man meistens einen Klingelknopf am Tisch; alternativ macht man durch winken oder den Ausruf „Yogi-yo“ auf sich aufmerksam.