Zuhause in Seoul

Meine Wohngegend

5 Monate ist es her, seit ich meine vierte Wohnung in Korea bezogen habe. Bisher konnte ich mich in der Hinsicht echt steigern:

  • Drei Monate in einem winzigen Raum, den ich mir mit zwei Mädels teilte. Im Grunde waren dies 3 Futons nebeneinander auf dem Fußboden und am Fußende standen unsere geöffneten Koffer.
  • Zwei Monate in einem Goshiwon: 10 Quadratmeter INKLUSIVE Nasszelle, immerhin Privatsphäre, jedoch striktes Besucherverbot und papierdünne Wände – das Ganze für 400 Euro monatlich.
  • Zehn Monate in einer schicken 1-Raum-Wohnung, welche ich jedoch mit einer Koreanerin teilte um die Kosten decken zu können.

= Glaubt mir, ich weiß meine jetzigen, eigenen 40 Quadratmeter sehr zu schätzen!

Ich wohne schon wieder über Starbucks 🙂

Seoul lag im Ranking 2017 des britischen Magazins The Economist auf Platz 6 der teuersten Städte der Welt und damit noch vor New York (10). Hinzu kommt, dass die meisten Vermieter in Seoul eine Kaution verlangen, welche jeden Mietnomaden in die Flucht schlägt: Die Kaution meiner vorherigen 1-Raum-Wohnung lag bei 8.000 Euro und das ist wenig.

Zugegeben, dafür bekommt man mehr als in einem deutschen Durchschnittshaus: Beispielsweise einen 24h-Portier, einen Sicherheitsdienst, eine moderne Ausstattung (neue Waschmaschine, Induktionsherd usw.), einen Putzdienst für die Flure, einen hauseigenen Techniker der sofort zur Stelle ist sowie mit etwas Glück ein Fitnessstudio. Diese Ausstattung ist Standard in Seouls Hochhäusern und ehrlich gesagt werde ich mir diesen Standard schwer wieder abgewöhnen können.

Eine bessere Wohnlage kann ich mir nicht wünschen: Ich wohne im Herzen von Digital Media City, dem sogenannten “Silicon Valley” von Seoul. Ich blicke auf das Gebäude des MBC, einem der zwei einflussreichsten TV-Sender Koreas. Wöchentlich werden zwischen den modernen Gebäuden Serien sowie Filme gedreht. Am Montag war ich mit Kollegen bei uns unten im Haus essen, als uns ein koreanischer Freund darauf aufmerksam machte dass Jongshin Yoon und Taehyun Cha am Nebentisch sitzen (sie moderieren die vom MBC ausgestrahlte Talkshow Radio Star). Ein berühmter Sänger und ein berühmter Schauspieler aßen also genauso wie wir, wie aufregend ;). In DMC ist eben alles so herrlich entspannt.

Die von mir am häufigsten benutzte Bushaltestelle

An Wochenenden und nachts ist DMC wie ausgestorben, da es hauptsächlich von Business-Leuten bevölkert wird. Dies hat mich anfangs gestört, doch nun weiß ich den erholsamen Schlaf zu schätzen. Außerdem ist meine Lieblingsgegend Hongdae nur eine Station entfernt! Hongdae ist der ideale Ort für lange Nächte und ein Taxi nach Hause kostet dank der kurzen Distanz unter 5 Euro.

Auch der TV Sender YTN hat seinen Sitz in Digital Media City
Die Straße bildet den Übergang zwischen neu…

Nach der Arbeit verbringe ich viel Zeit mit befreundeten Kollegen. Häufig gehen wir in die ältere Gegend des Distrikts. Diese befindet sich wenige Gehminuten von meiner Wohnung entfernt. Hier kann man wunderbar essen, Karaoke singen und natürlich haben wir eine Hand voll Lieblingsbars.

…und alt.


Digital Media City ist wie alle Gegenden in Seoul sehr sicher. Bei jedem Schritt wird man von Überwachungskameras aufgenommen. Zu meiner anhaltenden Verwunderung gibt es in Seoul niemanden, der mit einem Mundschutz getarnt die Kameras zerstören- und Graffiti an die Hauswände sprühen würde. Oft stelle ich mir die Frage: Woher kommt diese Mentalität, dieser Respekt?

Riesige Parks sucht man in Seoul vergeblich. Immerhin befinden sich neu errichtete Parkanlagen rund um das Worldcup Stadium und auch die Nähe zum Han-Fluss bietet wunderbare Spaziermöglichkeiten. Beides erreiche ich in weniger als 20 Minuten zu Fuß und natürlich gibt es jede Menge Buslinien.

Meine Wohnsituation macht mich rundum glücklich!

mein Wohngebäude hat sich wieder aufs Bild geschlichen 😛