Restaurants und Cafés

Meine Freundin adoptiert eine Katze – Oder???

Meine liebe Freundin MaKenzie liegt mir so circa seit unserem ersten Gespräch damit in den Ohren, dass sie eine Katze adoptieren möchte. Sie ist mit den Tieren aufgewachsen und vermisst einen weichen Stubentiger, was ich vollkommen verstehe. Unsere Wohnung erlaubt Haustiere (Zum Glück!) und letztes Wochenende pushte ich MaKenzie ein wenig, damit sie sich endlich aktiv auf die Suche nach einem geeigneten Mitbewohner begibt.

Es sollte eine Tierheim-Katze sein, doch ein Tierheim zu finden ist in Seoul nicht so einfach. Die richtigen Heime liegen weit außerhalb der Hauptstadt und sind schlecht zu erreichen. Tierkliniken beherbergen oft 1-2 Abgabetiere, aber jede Tierklinik in Seoul abzuklappern ist zeitaufwändig – besonders als Ausländer mit Sprachbarriere können wir die Praxen nicht vorher anrufen und nach verfügbaren Katzen fragen.

Eine Kollegin gab uns den Tipp, das Katzencafé Noriter nahe der Ewha Universität zu besuchen. Dieses Café nimmt Straßenkatzen auf und vermittelt sie in neue Haushalte.

Vorneweg: Das Café ist schön, es riecht allerdings ziemlich streng nach Katze! Wie immer zahlt man eine Eintrittsgebühr (knapp 6,50 Euro) und erhält dafür ein Getränk. Die Katzen waren überraschend zahm. Vielen Tieren sah man das Leben auf der Straße an – einem Tier fehlte ein Auge, mehreren Tieren fehlten Teile des Schwanzes. MaKenzie verliebte sich Hals über Kopf in die einzige Babykatze…eigentlich suchte sie nicht nach einem Kätzchen, sondern es ging ihr hauptsächlich darum, einen kuscheligen Gefährten zu finden. Die Babykatze schlief knapp eine Stunde auf ihrem Schoß und ließ sich problemlos hochheben sowie an den Pfoten anfassen; Katzenkennerin MaKenzie wertete dies als sehr positiv.

Nun zur schlechten Nachricht: Wir sagten der Kellnerin, dass wir Interesse an der Adoption dieses Kätzchens haben. Die Kellnerin verwies uns auf die Besitzerin des Cafés, welche wir abends mithilfe von Taemin kontaktierten. Laut Aussage meines Freundes war die Dame in ihrem Ton sehr unhöflich; sie machte deutlich, dass sie keine Katzen an Ausländer vermittelt. Ende der Diskussion.

Es ist insofern verständlich, dass es viele Fälle von Bewohnern der amerikanischen Militärbasis gibt, die Tiere adoptieren und sie bei Verlassen des Landes ins Tierheim abschieben. Der Yongin Pound (Hunde-Tierheim) kann auch ein Lied davon singen. Trotzdem sind natürlich nicht ALLE Amerikaner/Ausländer so und MaKenzie schon mal gar nicht! Personen nach ihrer Herkunft zu verallgemeinern ist immer *hier bitte Schimpfwort eurer Wahl einfügen*! MaKenzie war dementsprechend enttäuscht und verletzt. Taemin bot ihr an, die Katze für sie zu adoptieren. Als Tierarzt mit koreanischem Pass dürfte dies für ihn kein Problem sein, aber verständlicherweise möchte meine Freundin auf direktem, “legalem” Weg zu ihrer Katze kommen. Sie gibt die Hoffnung nicht auf und sucht an anderer Stelle nach dem geeigneten Mitbewohner.

Bezüglich des Katzencafés bin ich nun zweigeteilter Meinung: Einerseits finde ich die Idee super. Die Katzen erleben viele Besucher und werden durch die Kontakte sozialisiert. Es geht ihnen besser als wenn sie einzeln in einem Käfig vor sich hinvegetieren müssten.

Andererseits: Wenn mein Freund sagt, dass die Besitzerin am Telefon unfreundlich war, dann WAR sie auch unfreundlich. Unterstütze ich mit einem Besuch ihres Cafés nun die Straßenkatzen oder unterstütze ich die einseitig denkende Besitzerin?