Seoullife

Taxi Talks

Im letzten Jahr war mein bevorzugtes Fortbewegungsmittel die U-Bahn. Mittlerweile fahre ich genauso häufig mit dem Bus und dem Taxi. Wichtig: Taxifahren in Korea ist sicherer als in anderen Ländern. Man braucht keine Angst vor einer Entführung oder einem Raubüberfall haben. Trotzdem habe ich auf Taxifahrten schon so Einiges erlebt…

Der Balli-Balli-Fahrer: Überaus häufig ist der “Schnell-Schnell”-Fahrer anzutreffen. Dieser Fahrer nimmt seinen Job sehr ernst und arbeitet nach dem Motto “Der Kunde ist König”. Er gibt sich große Mühe, seine Kundschaft in kürzester Zeit ans Ziel zu bringen. Dafür riskiert er sogar sein Leben und das garantiert mehrmals täglich! Dem Kunden bleibt nichts anderes übrig, als zitternd auf der Rückbank zu sitzen und sich wenn möglich anzuschnallen. Einerseits liebe ich diese Fahrer, denn sie bringen mich schnell ans Ziel. Andererseits wäre es wirklich sehr sinnlos, mein Leben in einem koreanischen Taxi auszuhauchen.

Der Stop-and-go-Fahrer: Er ist das Gegenteil vom Schnell-Schnell-Fahrer. Den Stop-and-go-Fahrer mag ich am wenigsten. Entweder kann er einfach nicht fahren oder er versucht mit dieser Taktik mehr Geld zu verdienen: Dieser Taxifahrer tritt in kurzen Abständen das Gaspedal und lässt es dann wieder los, bevor er es wieder tritt. Das Fahren sieht dann in etwa so aus wie in einem alten Film, wenn der Motor versagt. Manchmal hilft es, diese Art von Fahrer böse anzufunkeln und “Balli-ga chuseyo” (Beeilen Sie sich) zu sagen; dies kann die älteren Herrschaften allerdings auch trotzig stimmen und sie fahren noch miserabler.

Der betrunkene Fahrer: Ein einziges Mal hatten MaKenzie und ich das schockierende Erlebnis: Während der Fahrt bemerkt ich eine halbleere Flasche japanischen Pflaumenschnaps zwischen den Frontsitzen. Ich habe den Alkohol selbst in meinem Kühlschrank stehen und er schmeckt lecker – ABER NICHT ALS TAXIFAHRER IM DIENST! Ausgestiegen sind wir übrigens trotzdem nicht; wir haben überlebt! Seitdem gucke ich jedoch etwas genauer zwischen die Sitze.

Der freundliche Fahrer: Viele Fahrer sind nette ältere Herren, die sich mit dem Taxifahren ein bisschen dazuverdienen. Teilweise sind sie so alt, dass sie mir Leid tun. Mit 70 sollte niemand mehr arbeiten müssen! Ich bin allerdings über ihre unglaublich schnellen Reaktionen überrascht. Es lässt sich nicht mehr an einer Hand abzählen, wie oft wir nur knapp einem Unfall entgangen sind und unser Taxifahrer z.B. im letzten Moment das Steuer herumreißen musste weil ein Bus unerwartet die Spur wechselte.

Manche Fahrer können ein bisschen Englisch, aber am meisten freuen sie sich über unser Koreanisch. Nun kann ich ihnen in ihrer Muttersprache den Weg beschreiben und erhalte dafür manchmal ein Kompliment (zu meinem Aussehen, weniger zu meinen Koreanischkenntnissen, haha). Manche Fahrer versuchen uns während der Fahrt ein bisschen mehr Koreanisch beizubringen oder sie hören ihre Lieblingsmusik und singen gut gelaunt mit.

Meistens fahren MaKenzie und ich gemeinsam – wenn wir uns nach unserem Wocheneinkauf ein Taxi teilen, dann ist es günstiger als die Busfahrt! – und wir beenden eine Fahrt oft mit Worten wie “Das war ein super Taxifahrer”, oder mit einem Ohrwurm von dem Lied, welches im Radio lief. Taxifahrer in Korea sind immer für eine Überraschung gut!