Meine Gedanken

Ich treffe die Eltern meines Freundes (Achtung: lang!)

15 Monate ist es her, seit Taemin und ich uns kennengelernt haben. Anfangs war es für mich komisch, dass mein Freund mich noch nicht seinen Eltern vorstellen wollte. Monatelang wussten sie nichts von mir. Für ihn war es eine große Sache, die Beziehung öffentlich zu machen.

Im Oktober erfuhren seine Eltern von mir und reagierten positiv. Schnell äußerten sie den Wunsch, mich kennen zu lernen. Es gab jedoch eine Voraussetzung für ein Treffen: Zuerst musste ihr Sohn seine tierärztliche Approbation im Januar bestehen. Phew – Taemin bestand die Prüfung auf Anhieb :). Allein der Weg zum Treffen verläuft schon ganz anders als man es aus Deutschland kennt, oder?

Weil das Kennenlernen koreanischer Eltern so hochgehalten wird, war ich unglaublich nervös. Das Treffen fand Sonntagabend statt und ich war dermaßen aufgeregt, dass ich den ganzen Tag lang nichts auf die Reihe gekriegt habe.

Um 17:30 Uhr holte Taemin mich ab und wir fuhren zum vereinbarten Treffpunkt. Für seinen Vater hatte ich eine Schachtel Pralinen gekauft und für seine Mama wählten wir gemeinsam einen hübschen Blumenstrauß. Ich legte eine Dankeskarte dazu, das war mir persönlich wichtig. Dann übte ich noch einmal im Parkhaus eine ordentliche Verbeugung, was Taemin ziemlich amüsierte. Er sagte, ich solle mich entspannen. Gleichzeitig riet er mir: “Rede mit meinen Eltern so, wie du mit den Eltern deiner Schüler redest.”. Na toll; also doch sehr höflich.

Eine Stunde später trafen wir Taemins Eltern. In den ersten Minuten waren wir alle ein wenig befangen und tauschen die Geschenke aus (seine Eltern hatten mir auch etwas mitgebracht, aww!). 

Taemins Papa brach das Eis, indem er mir neugierig Fragen zu Deutschland und meiner Arbeit in Korea stellte. Ich war positiv überrascht, weil beide Elternteile sehr gut Englisch sprechen! Mehr als drei Sätze brachte ich auf Koreanisch nämlich nicht zustande, haha. Für eine höfliche Konversation mit seinen Eltern fehlt mir noch zu viel Vokabular.

Seine Eltern wiederum waren positiv überrascht darüber, dass ich die wichtigsten Höflichkeitsformen Koreas kenne. Besonders der Fakt, dass ich mich beim ersten Antrinken zur Seite drehte, kam gut an. Für das nächste Treffen werde ich mich ein bisschen mehr über Beethoven und Kant informieren; seine Eltern haben eine umfangreiche Allgemeinbildung (Na, wo ist Beethoven geboren? Immerhin wusste ich das. Aber Kant?! Philosophie war noch nie so meins…). Processed with VSCO with c1 preset

Im Restaurant saßen wir in einem Séparée, um ungestört reden zu können. Taemins Mama stellte sicher, dass ich viel zu Essen bekam. Vorher hatte ich gelesen, dass ich unbedingt alles essen sollte was man mir gibt. Tatsächlich luden seine Eltern mir nach, obwohl ich noch nicht ganz aufgegessen hatte. Sie waren wirklich sehr lieb und fürsorglich! Als ich erleichtert den Teller leer gegessen hatte und es nichts mehr zum nachreichen gab, wurden Naengmyeon (kalte Nudeln) bestellt. Ich sollte an diesem Abend nicht hungern!

Von meinem Freund kam später das Feedback, dass seine Eltern mich mögen und unsere Beziehung gutheißen :).

Falls du zufällig in diese Situation kommen solltest, hier einige Tipps (nur meine persönliche Meinung und Erfahrung!):

  • Calm down! Dass dein koreanischer Partner dich den Eltern vorstellt und die Eltern dich sehen wollen, ist ein gutes Zeichen.
  • Wenn du es nicht schon längst weißt, dann informiere dich über die wichtigsten Verhaltensregeln. Übertreibe es gleichzeitig aber auch nicht, sondern frage besser vorher deine(n) Freund(in). Ich habe zum Beispiel online gelesen, dass man die Eltern auf jeden Fall mit “Annyeong Hashimnikka”, grüßen soll. Taemin meinte jedoch, dies sei vollkommen altmodisch. Jeder Mensch ist anders – manche Eltern mögen davon beeindruckt sein, andere finden es übertrieben. Taemin riet mir zu einem schlichten “Annyeong Haseyo”, mit Verbeugung.
  • Ein Gastgeschenk schadet nicht. Der Vorschlag mit Pralinen und Blumen kam von mir, aber ich habe meinen Freund zur Sicherheit noch einmal gefragt damit ich nicht versehentlich die falsche Blumenfarbe kaufe (in Korea: weiß). Ich kenne andere Ausländer, die mit Alkohol für den Vater punkten konnten. Da ich selber aber nicht so gerne trinke, wollte ich lieber etwas schenken was meiner Persönlichkeit entspricht (süß wie Schokolade natürlich, ha!).
  • Bleib dir selbst treu, aber: In einem Blog las ich “Tone down everything: Your make-up, your enthusiasm, hair, gesture and heels. Don’t wave your hand too much when you talk, don’t laugh so loud and don’t wear your 4 inch heels.”. Ganz ehrlich – dieses Verhalten kommt meiner Meinung nach in Korea immer besser an, als wenn man sich total forsch gibt. Stille Wasser sind tief und ein bisschen Zurückhaltung beim ersten Treffen mit koreanischen Eltern kann nicht schaden :). Viel Glück!