Meine Gedanken

Thema Fernweh

Rückblick. Meine Eltern haben meinen Bruder und mich ganz selbstverständlich auf alle Reisen mitgenommen. Bis zu meinem sechsten Lebensjahr war ich 3x bei meinen Großeltern in den USA, den ersten Urlaub meines Lebens verbrachte ich als Säugling in Schweden. Gemeinsam als Familie bereisten wir viele Länder.

Mit 16 ging es für ein halbes Jahr nach Kanada. Meine Gastfamilie war super und wir stehen heute noch in Kontakt, aber ich bin mir sicher dass ich den Aufenthalt auch mit weniger Glück niemals abgebrochen hätte. Bis heute ist es mir schwer verständlich, dass manche Bekannten sofort die Reißleine zogen, anstatt z.B. erstmal in eine andere Familie zu wechseln… 

Trotzdem gab es etwa im Alter zwischen 12-15 Jahren eine Zeit, in der materielle Dinge wichtiger schienen. Mitschüler, die vermeintlich “alles hatten”. Ich denke dass es diese Schüler überall gibt: Sie besitzen von allem immer das Neueste. Manche dieser Mitschüler waren nett, andere schlichtweg arrogant. Was ihnen fehlte? Auslandserfahrung. Ein erweiterter Horizont. 

Nun ja – dies verstand ich dank meiner Zeit in Kanada. Was war das neueste Handy schon wert im Vergleich zu meinen Erlebnissen? Zuvor sah ich bloß, dass mein Erspartes nie für das schickste Handy reichte während andere Schüler diese materiellen Dinge immer bekamen. Wie viel Geld eine Fernreise als Familie kostet und wie viel wertvolle Zeit unsere Eltern dadurch mit uns verbracht haben, wurde mir erst später bewusst. Damals, mit den vermeintlich reichen Mitschülern vor Augen, sagte ich zu meiner Mama im Alter von 14 folgendes: “Wenn ich eigenes Geld verdiene, dann werde ich es nicht für Reisen ausgeben. Ich werde mir schicke Dinge kaufen, die nicht nach vier Wochen vorbei sind.”. Zu diesem Zeitpunkt kamen wir gerade aus dem australischen Outback zurück und ich hatte fünf Tage ohne Toilette und fließend Wasser überlebt (und dementsprechend genug von Abenteuern). Ich weiß den Satz nur, weil meine Familie ihn mir immer mal wieder unter die Nase reibt :P. 

Tja…es kommt doch oft so anders, als man es sich als Jugendlicher vornimmt, oder? 

Dass mir das Reisen viel leichter fällt, weil ich es dank meiner Eltern kennengelernt habe, ist mir auch erst heute bewusst. Es war meine Familie, die mir gut zugesprochen -und den teuren Auslandsaufenthalt in Nordamerika finanziert hat. Wer aus einem reiseunerfahrenen, ängstlichen Elternhaus kommt, der wird wahrscheinlich mehr Mut aufbringen müssen, um den Schritt ins Ausland allein zu wagen. Ich dagegen weiß, dass meine Eltern bei Reiseabenteuern immer hinter mir stehen und mich nicht aufzuhalten versuchen. 

Mittlerweile gehen meine Flüge zwischen Deutschland und Korea hin- und her. Mein Arbeitgeber finanziert mir einen Rundflug pro Jahr, ich fliege jedoch zwei Mal nach Hause weil mir meine Familie sonst zu arg fehlt. Reisen ist teuer und wer kein Fernweh hat, der kann das Geld in andere Dinge investieren – jeder so, wie er mag!

Aber reisen lohnt sich in ooohhh so vielfältiger Art und Weise und es ist niemals zu spät, damit anzufangen! Eine ehemalige Kollegin aus Seoul hat sich zum ersten Mal mit Ende 30 ins Ausland gewagt. Vorher, erzählte sie mir, hatte sie sich nie getraut. Aus irgendeinem Grund wagte sie es dann doch: Sie ging zuerst nach Ägypten, anschließend nach Korea. Ihre Aussage, an die ich mich erinnere?: “Ich bereue, dass ich mit den Fernreisen nicht früher begonnen habe.”. Die Angst davor, sich im Ausland nicht verständigen zu können, hatte sie zuvor abgehalten – aber auch mit fast 40 kann man seine Furcht überwinden und sich vom Fernweh anstecken lassen :). 

Ich für meinen Teil muss nicht alle Länder dieser Welt bereisen. Lieber lebe ich lange genug in einem (Aus-)Land und kann die Namen der Städte wenigstens richtig aussprechen. Auf meinen Plan „Leben in Korea“, habe ich geduldig 8 Jahre lang gewartet, das entsprechende Fach studiert und geträumt (und bin in der Zwischenzeit natürlich gereist! Fernweh eben, da kann man nicht acht Jahre lang still sitzen.). 

Zwei Länder stehen auf meiner aktuellen Bucket List, diese aber eher weil ich dort Freunde treffen möchte. Ein weiterer Vor- und Nachteil vom Fernweh: Man hat Freunde auf der ganzen Welt, aber man vermisst auch immer viele von ihnen!

Nun habe ich auch einen Freund und ab jetzt planen wir erstmal zusammen :). Wo wir in zwei Jahren sind? Keine Ahnung. Vielleicht in Deutschland? Oder noch in Korea? Oder ganz woanders? Mal gucken, was kommt!