Meine Gedanken

Nackt in Korea

Das Thema hat mich anfangs echt verwirrt. Jetzt, wo es in wenigen Wochen schwül wird, ist der richtige Zeitpunkt um darüber zu schreiben.

Aber von vorne: Als ich im September 2015 kurz vor meinem Flug nach Korea stand, hatte ich mich genug über das Land informiert um zu wissen, dass man Bikinis an koreanischen Stränden selten sieht. Ich packte also meinen sportlichen Badeanzug ein und konnte es kaum abwarten, im Ostmeer zu schwimmen!

Dort folgte die Ernüchterung: Am Strand war ich die einzige Person im Badeanzug. Nicht etwa, dass die Koreanerinnen wider Erwarten doch Bikinis trugen, nein: sie trugen langärmlige Schwimmoberteile und auch die Männer bedeckten ihre Oberkörper. 

Gründe? Mmmh. Als Frau gilt man definitiv schnell als leicht zu haben, selbst wenn man nur einen tieferen Ausschnitt trägt (Miniröcke gehen allerdings klar!). Alles, was den Blick Richtung Brust lenkt, wird von den meisten Koreanerinnen also vermieden. Viele koreanische Männer tragen im Alltag übrigens “Sticker” auf ihren Brustwarzen, damit sich diese nicht durch das T-shirt abdrücken. Es scheint also auch bei Männern so zu sein, dass man Brustwarzen verdeckt (Ich kenne ein paar lustige Geschichten von Koreanern in Deutschland, die zum ersten Mal am Strand oder auch nur im Park waren – so viel nackte Haut! Haha). 

Für Korea? Ziemlich freizügig, selbst für einen Strand.

Mittlerweile trage ich am Strand und in öffentlichen Schwimmbädern ebenfalls ein langärmliges Oberteil. Zum Einen deshalb, weil mich Koreas Furcht vor UVA-Strahlen angesteckt hat. UVA-Strahlen sind wirklich gefährlich für unsere Haut und machen sie außerdem schrumpelig und faltig! Abgesehen davon trage ich ein langes Oberteil, weil ich mich halb nackt zwischen lauter angezogenen Menschen unwohl fühle. Koreaner würden keinen Touristen verbal angreifen, nur weil er oder sie zu viel nackte Haut zeigt. Das finde ich in Korea sehr angenehm – viele Menschen (übrigens nicht nur die Älteren!) mögen sich ihren Teil denken, aber die Meinung wird nicht laut ausgesprochen. Mir ist diese Mentalität ganz lieb.

Ich für meinen Teil passe mich meistens der Kultur an, in der ich zu Gast bin. Es gibt jedoch Momente, in denen ich mich bewusst nicht anpassen mag. Bestes Beispiel: Barfuß laufen. Niemand wird mich davon abbringen können, am Strand barfuß zu laufen! Es tut ja keinem weh, dass ich meine Füße in den Sand stecke. Die Reaktion meiner koreanischen Freunde ist dabei wirklich amüsant; sie schwankt zwischen Fassungslosigkeit („….Wieso tust du das?!“), Fremdschämen („Bitte…kannst du deine Sandalen wieder anziehen?“) und Besorgnis („Du verletzt dich bestimmt.“). 

Schwimmkleidung sitzt 🙂

Was mich noch viel mehr überrascht hat als das “nicht-nackt-sein” in der Öffentlichkeit, ist das “alle-Hüllen-fallen-lassen” sobald man fernab vom anderen Geschlecht ist. Koreanische Frauen untereinander sind komplett offen was ihre Körper angeht. Während wir in deutschen Schwimmbädern eher Einzelkabinen bevorzugen, scheint Korea eine Vorliebe für die Gruppenkabine zu haben. Während wir uns in deutschen Gruppenumkleiden zumindest die Unterwäsche anziehen bevor wir uns von unserem Spind wegbewegen, habe ich hier erlebt dass Koreanerinnen jeden Alters splitterfasernackt erstmal alles Andere tun: sich hinsetzen und die Haare kämmen, diese anschließend föhnen, minutenlang mit den Freundinnen quatschen. Es ist wirklich interessant, die schüchternen (bzw. auf niedlich und schüchtern schauspielernden ^^) Koreanerinnen unter ihresgleichen zu erleben. 

Wir stehen also kurz vor der Saison, in der ich mich nach einem kalten Pool sehne. Drückt uns hier in Seoul die Daumen, dass es nicht schon bald so schwül wird… In 8 Tagen kommt mich mein bester Freund besuchen und wir hoffen auf einen angenehmen Mai :). 

…nach viel Überredungskunst meinerseits…