Restaurants und Cafés

100 Tage

Heute sind Taemin und ich 452 Tage zusammen. Warum ich das so genau weiß? – In Korea gibt es für alles eine App! 

Einiges ist in Südkorea zwar ähnlich wie in Deutschland, aber in Sachen Beziehung ist vieles komplett anders. Das wurde mir bewusst, als Taemin mit einem Blumenstrauß vor mir stand und mir „Alles Gute zum 100-tägigen“, wünschte. 100 Tage sind nun wirklich nicht lang, aber generell finden Koreaner wesentlich mehr Anlässe zum Feiern als ich es aus Deutschland kenne. In Beziehungen zelebriert man theoretisch jeden 100. Tag, außerdem gibt es noch die speziellen Tage wie Jahrestag, Valentinstag, Weißer Tag… Da kann man schon mal die Übersicht verlieren, oder? – Aber nein, denn dafür gibt es ja die App! Ehrlich gesagt vergessen mein Freund und ich diese Daten trotzdem oft und nehmen sie nicht so ernst ^^.

Pärchen-Ringe

Zum 100. Tag ist es üblich, dass sich das Paar einen Ring kauft und die Beziehung damit ein Stück weit offiziell macht. Diese Pärchen-Ringe beginnen bei 60€/zwei Stück. Jeder koreanische Juwelier bietet eine große Auswahl dieser Couple Rings an, denn die Nachfrage ist hoch. Man trägt sie übrigens am linken Ringfinger, wodurch es für westliche Touristen so aussieht als seien viele junge Leute bereits verlobt oder verheiratet.

Taemin und mir war schnell klar, dass wir weder einen vergoldeten Ring brauchen (zu teuer!)- noch einen Ring mit Steinen wollen. Ebenfalls gefiel uns kein 0/8/15-Modell aus den Geschäften. Wir wollten etwas Schlichtes in silber. Für uns ganz anspruchsvolle Kundschaft 😉 gibt es zum Glück Ring-Cafés, in denen man sich sein Unikat selbst herstellen kann. Deshalb ging es nach Insa-dong, wo wir fleißig werkelten! 

Als Erstes mussten wir unsere Größe bestimmen und uns ein Grundmodell aussuchen. Dann teilten wir der Besitzerin mit, wie wir den Ring schleifen wollen und was wir hinzufügen möchten. Unsere Idee bestand aus einer schlichten halben herzförmigen Einkerbung in jedem Ring, sodass man beide Herzhälften zusammenfügen kann. 

Anschließend ging es an die Werkbank, wo aus unserem länglichen Stück matten 925-er Silber ein glänzender Ring entstand. Hierfür mussten wir unser Rohmaterial zuerst von allen Ecken und Kanten befreien. Anschließend lötete die Besitzerin es zu einem Ring zusammen, welcher allerdings viel kleiner war als unsere Fingergröße. Wir mussten ihn so lange klopfen, bis er passte! Zeitgleich überlegten wir uns eine Gravur und wählten eine Schriftart aus. Das Schleifen und Polieren konnten wir selbst erledigen, die Herz-Einkerbung hat die Besitzerin für uns gemacht und unser ausgewählter Spruch wurde am Schluss von einem Computer eingraviert. 

Die 2-stündige Arbeit ist dank der Hilfestellungen idiotensicher :). Niemand muss am Ende mit einem kaputten Stück Silber nach Hause gehen.

Ziemlich süß fand ich, dass wir den Ring des Anderen bearbeiten sollten. Dadurch arbeitet man besonders sorgfältig! Auch ein Jahr später blicke ich gerne auf dieses Erlebnis zurück. Wir tragen unsere Ringe täglich und bisher haben sie sich weder verfärbt noch verformt. 

Das Erste Treffen mit den Eltern meines Freundes könnt ihr hier nachlesen.