Zuhause in Seoul

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Das Erste, was mir in meinem Wohnhaus in Seoul auffiel, war ein Foto im Fahrstuhl: Es zeigte die Aufnahme der Überwachungskamera, auf welcher ein Mann – offenbar ein Bewohner des Hauses – seine Matratze im Abfallbereich des zweiten Untergeschosses entsorgte. Das Bild war mit einem roten Rahmen gekennzeichnet und der koreanische Text enthielt viele Ausrufezeichen; offenbar wurden andere Bewohner des Hauses ermahnt, es dem Mann NICHT gleichzutun. Er wollte vermutlich Geld sparen und hatte nicht mit der Videoüberwachung sowie öffentlicher Anprangerung gerechnet. 

Kameraüberwachung für den Müll

Mein erstes Mal “Müll runterbringen”, wurde in Korea direkt zum Erlebnis: Zwar läuft hier ausnahmsweise mal nichts automatisch ab, allerdings nehmen es die Koreaner mit ihrer Mülltrennung sehr genau. SO genau, dass Strafen drohen falls man diesem Thema zu fahrlässig begegnet.

Getrennt wird zwischen: Plastikbechern, Plastikflaschen, Plastikverpackungen, “Vinyl” (z.B. Plastiktüten), große Pappe, Papier und kleine Pappe, Styropor, Glas, Stoffe, Aluminium, Biomülll (nur in speziellen gelben Tüten entsorgen, sonst drohen Strafen) sowie jeder andere Hausmüll (nur in speziellen weißen Tüten entsorgen). 

Bei Ausländern ist man mit den Strafen nicht ganz so streng. Anfangs verwendete ich nicht die korrekten Tüten und erhielt zum Glück keinen Strafzettel. Wenn ich mittlerweile ein Paket erhalte, dann ist es z.B. Routine geworden, die Klebestreifen davon zu entfernen. Klebeband kommt in die weiße Tüte, Pappe kommt zu den großen Pappen. 

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Wie so ziemlich alles wird auch die Mülltrennung bestens überwacht. Zum Einen mit Kameras, zum Anderen mit einer Aufsichtsperson. Der gute Herr ist wirklich nicht mein Lieblingskoreaner, weil er mir bei jeder Müllentsorgung über die Schulter schaut und mich zurechtweist – da ich jünger bin als er, sollte ich eigentlich nur “ja” sagen und mir meinen Teil denken. Letztes Mal motzte ich allerdings zurück, weil er mich wieder mal fälschlicherweise beschuldigte. Ab und zu bricht dann eben doch das deutsche Temperament aus mir heraus.

Recycling ist natürlich super und ich finde es toll, wie Korea mit der Thematik umgeht. Einen Tipp hätte ich aber noch: Wie wäre es damit, weniger Müll zu produzieren? Aus hygienischen Gründen ist hier wirklich jeder Keks einzeln verpackt. Das Argument der Hygiene leuchtet mir allerdings nicht ganz ein, denn traditionell teilen sich Koreaner ihr Essen und langen mit ihren Essstäbchen in dieselben Schüsseln… Logik?!? Wie in Deutschland auch, muss ich wohl nicht immer alles verstehen.