Meine Gedanken · Restaurants und Cafés

Gedanken und Tipps zu Tiercafés

Eigentlich ist der Eintrag längst überfällig, aber ich dachte bis eben dass ich bereits über mein liebstes Hundecafé geschrieben habe… Dies war allerdings auf meinem alten, passwortgeschützten Blog der Fall!

Seoul hat viiiiieeele Themencafés, wobei Tiercafés besonders bekannt sind. Ob Schafe, Waschbären oder Meerkatzen: scheinbar müssen die Tiere immer exotischer werden, um Besucher anzulocken. Hundecafés gibt es in jedem Viertel der Stadt, man muss nur genau auf die Schilder gucken: die Geschäfte befinden sich nicht selten im 3. oder 4. Stock eines Gebäudes – oder im Keller.

Ich als Hundeliebhaberin sehe die Cafés kritisch, glaubt mir! Besonders zu Beginn meines Koreaaufenthaltes führte jedoch kein Weg an einem Hund vorbei und so kann ich meine Meinung nach 8 verschiedenen Hunde- 2 Katzen- sowie einem Waschbärcafé teilen. Kurz und knapp: Nur eines dieser Cafés halte ich für akzeptabel. Seit einem Jahr besuche ich ausschließlich das Eine!

Tatsache ist, dass ich ewig über dieses Thema reden könnte. Ich versuche mich kurz zu halten: Das Hundecafé meiner Wahl heißt The Walz. Mittlerweile kennen der Besitzer und ich uns, er spricht gutes Englisch und ist genauso hundeverrückt wie ich! Man sollte meinen, dass alle Tiercafés von Tierliebhabern betrieben werden…nach meinen Erfahrungen ist dies jedoch nicht der Fall: Profit heißt wohl häufig das Zauberwort.

Die Besitzer von The Walz (zwei Brüder) sind sympathische Typen, sie lieben ihre eigenen Hunde und man merkt als Hundekenner einfach, dass sie sich mit den Tieren auskennen. Das Café ist sauber, es stinkt nicht nach Pipi. Wichtigster Punkt für mich: Die Hunde haben einen Ruheraum, in den sie sich zurückziehen können. Außerdem werden sie abends mit nach Hause genommen; sie haben also Familienanschluss und wurden nicht bloß zum Geld verdienen angeschafft. Eine Vielzahl der Tiere gehört sowieso Cafébesuchern; das Café ist eine Art „Indoor-Spielplatz“, ähnlich wie das was wir in Deutschland als „Hundewiese“ kennen. Erlaubt sind nur kleine Hunde, was ich vernünftig finde.

Mit diesem Artikel will ich sagen: Wenn ihr nach Seoul kommt, dann lauft nicht blind ins erste Tiercafé. Klar sind die Tiere niedlich, aber wenn ein Café z.B. mit „wir haben ausschließlich Welpen“ wirbt, dann sollte man sich schon mal fragen was mit den vielen Welpen passiert sobald sie ausgewachsen sind… Apathisch an der Wand hin- und her laufende Tiere zeigen auf, dass die armen Kreaturen vor Langeweile oder Stress verrückt werden… Ein winziger Raum mit 30 Besuchern und 10 großen Hunden ohne vorhandenen Rückzugsort IST Tierquälerei… Ein Waschbär der für Selfies in ein ‚Wandloch‘ gestopft wird, aus dem er sich nicht selbst befreien kann, ist ebenfalls Quälerei. All dies habe ich bereits in Tiercafés erlebt und war mehr als geschockt über die fehlende Empathie meiner Mitmenschen.

Mir liegt das Thema wirklich am Herzen: Korea wandelt sich so schnell und ich hoffe, dass es auch in Sachen Tierschutz schnell vorangeht. Natürlich gibt es Koreaner, die jede freie Minute mit dem Retten von Tieren verbringen – allen voran die Freiwilligen im Tierheim Yongin Pound, in welchem ich selbst schon gearbeitet habe. Aber in Deutschland ist das Thema viel präsenter (angefangen bei Bio-Eiern im Supermarkt). Das Leben im Ausland bietet mir die Möglichkeit, von außen auf mein Heimatland zu schauen. Dabei fallen mir oft Dinge ein, die in Deutschland besser sein könnten. Über eins bin ich jedoch stolz: Tierschutz wird bei uns so groß geschrieben wie in kaum einem anderen Land der Welt.

The Walz befindet sich etwa 10 Gehminuten entfernt von Gangnam Station, exit 1. Es ist das bisher einzige Tiercafé, welches ich weiterempfehle. Als ‚Eintritt‘ muss man ein teures Getränk kaufen (das ist aber in jedem Themencafé so); Preise variieren zwischen 6 und 8 Euro.