Meine Gedanken

2×6 Gedanken über mein Leben in Korea

In den unmöglichsten Situationen denke ich plötzlich: Das ist Material für den Blog! Oft ist es jedoch nicht mehr als ein Satz oder eine Situation, die mir in meinem koreanischen Alltag auffällt. 12 dieser Momente habe ich nun schriftlich festgehalten. Lest selbst…

Rote Weintrauben schmecken hier komplett anders (für uns Deutsche total künstlich, aber irgendwie lecker).

Auch wenn Koreaner stolz darauf sind, die ‚größten‘ Asiaten zu sein, sind die meisten Frauen kleiner als ich. Und oft sehr viel zierlicher! Mittlerweile stehe ich darüber, dass ich nicht in die koreanische Einheitsgröße passe und insgesamt eine ‚M/L‘ trage, während ich in Deutschland ‚S/M‘ einkaufe. Letzten Endes sind es doch nur Schilder, warum machen wir uns so einen Stress?!

unsere Morgenrunde um 6:30

Viele koreanische Männer tragen Make-Up. Klar fällt mir das auf, denn ich bin es aus meiner Heimat nicht gewohnt. Make-Up für Männer ist in Korea nicht so mit dem Wort „schwul“ (und damit leider negativ) behaftet, wie bei uns. Insgesamt finde ich nur fair, dass Männer auch ein wenig schummeln dürfen.

BTS werben für VT Cosmetics

An der Schule, an welcher ich unterrichte, besitzen die Schüler verschiedene Uniformen: z.B. eine formelle Uniform für die wöchentlich stattfindende Assembly (Hemd, Blazer, Krawatte), eine Uniform für Sportevents, eine legere Uniform (Poloshirts, Pullover) etc. Ich befürworte Schuluniformen, auch wenn ich ein – in Deutschland oft angeführtes Argument – nicht bestätigen kann: Trotz Schuluniform sieht und weiß nämlich Jeder sehr genau, wer First Class fliegt.

Die Arbeitsmoral in Korea haut mich immer wieder um. Es scheint als wäre kein Job den Menschen zu schade. Sogar Obdachlose verkaufen lieber etwas (z.B. leicht überteuerte Kaugummi) anstatt nur zu betteln und dadurch eben ‚gar nichts‘ zu leisten. Mein Lieblingscafé öffnet um 7:30 Uhr und schließt um 22 Uhr – es wird rund um die Uhr von der Besitzerin betrieben. Gleichzeitig muss man jedoch sagen, dass das Zeitmanagement von Koreanern nicht immer das Beste ist. „Ich war 12 Stunden im Büro.“, bedeutet oftmals „9 Stunden gearbeitet und 3 Stunden nebenbei mit chatten verplempert.“.

Ab und zu bestellen mein Freund und ich McDonalds Delivery zum Frühstück. Samstagmorgens Hash Browns zu futtern und Mr. Kim’s Convenience Store auf Netflix zu gucken, hat was :P.

Diebstahl, Sachbeschädigung und Gewalt in der Öffentlichkeit? Existieren nicht. Ok, ’sag niemals nie‘, aber: Wirklich nicht. In einer der größten Metropolen der Welt habe ich keine Angst, nachts um drei durch dunkle Nebenstraßen zu laufen. Kinder lassen ihre Fahrräder über Nacht frei im Park stehen und spielen am Folgetag weiter.

Ihr kennt doch bestimmt die koreanische Vereinigungskirche (bei uns eher als Sekte bekannt), welche die berühmten Massenhochzeiten abhält? Die Moon’s bauen gerade zwei riesige Wolkenkratzer mit Blick auf den Hangang. Diese Kirche hat wirklich viel Geld.

Koreaner sind total verrückt nach Süßkartoffeln. Es gibt so ziemlich alles aus der Knolle: Hauptspeisen, Desserts, Getränke wie Süßkartoffel-Latte, Chips, Brot, Salat. Außerdem wird Süßkartoffel-Mus anstelle von Tomatensauce als Pizzabelag verwendet.

Instant-Ramyeon. Ein Wunder, dass die Lebenserwartung der Koreaner so hoch ist! Alle futtern wie verrückt diese Instantnudeln. Im Februar flogen einige Schüler mit zwei befreundeten Kollegen nach NYC, um in der Carnegie Hall aufzutreten. Untergebracht in einem Hotel in Manhattan, wurde ihnen das beste Essen serviert… Aber Abends holten viele der Schüler plötzlich Instant-Ramyeon aus dem Koffer und fragten nach heißem Wasser  – da guckten meine Kollegen nicht schlecht!

mein bescheidener Vorrat

Die Augenlidoperation ist eine der am häufigsten durchgeführten Schönheitsoperationen in Südkorea. Die meisten wohlhabenden jungen Koreaner erhalten diese zum 16. Geburtstag als Geschenk, um ihre Augen westlicher erscheinen zu lassen. An wirklich jeder Schule haben Schüler(innen) diese OP bereits hinter sich. Abgesehen davon, dass es absolut rassistisch ist, sollte man auch aus diesem Grund keinen blöden Spruch über asiatische Augen machen. Es ist traurig genug, dass Asiaten ihre Augen oft verändern wollen, da braucht es wirklich nicht auch noch Westler, die Asiaten als Schlitzis bezeichnen. Wir sind alle schön so, wie wir sind.

Unser Dresscode auf der Arbeit ist Business Casual. Dabei gilt: Mehr ist mehr. Mit der Zahnbürste in der Hand über den Flur zu huschen ist allerdings kein Problem: Es gehört in Korea zum guten Ton, sich nach jeder Mahlzeit die Zähne zu putzen.