Zuhause in Seoul

Krank in Seoul

Samstag fing es an: Hämmernde Kopfschmerzen. Ich dachte mir nichts dabei und nahm eine Aspirin. Die Kopfschmerzen hörten nicht auf. Frische Luft. Noch eine Aspirin. Am späten Nachmittag bereits die dritte Aspirin und sie wollte einfach nicht wirken. Normalerweise wirken die Tabletten bei mir sofort! Wie verabredet fuhr ich dennoch Abends nach Jamsil, um Taemin zu treffen. Wir wollten mit dem Auto zurück zu meiner Wohnung fahren und auf dem Weg an einem Restaurant halten. Aufgrund von plötzlich auftretenden, starken Bauchkrämpfen bat ich meinen Freund, lieber etwas zu mir ins Haus zu bestellen. Ich selbst brachte jedoch keinen Bissen herunter und hatte eine ziemlich unruhige Nacht.

Sonntag stand unser Ausflug nach Songdo an. Es kommt so selten vor, dass Taemin am Wochenende frei hat! Wir wollten in den neu eröffneten Decathlon, die Stadt erkunden, essen gehen. Leider ging es mit mir rapide bergab, sodass wir zwar den Laden besuchten und einige Fotos im Park machten, den Trip jedoch abbrachen. Statt eines Mittagessens fuhren wir direkt zu einem Arzt.

Junis winkt aus Korea für O+O!

Ich hatte erhöhte Temperatur, furchtbare Kopfschmerzen, heftige Bauchkrämpfe, insgesamt fühlte ich mich total matt und Appetit war mir plötzlich ein Fremdwort. Mmmh, wie viele Tage wird man von einem deutschen Arzt in einem solchen Fall krankgeschrieben? Doch wohl mindestens einen Tag, oder?

In Seoul wird man wegen sowas nicht krankgeschrieben. Ich habe ja bereits die Arbeitsmoral der Koreaner gelobt, aber manchmal ist es einfach zu viel Druck! Meine koreanischen Kollegen kämen bei diesen Symptomen nicht einmal auf die Idee, der Arbeit fernzubleiben. Mir wurde – wie in Korea üblich – ein Medikamentencocktail verschrieben, u.A. Schmerztabletten und entzündungshemmende Medizin. Damit man fit ist und den Tag übersteht. Insgesamt schluckte ich 39 Tabletten in drei Tagen!

Zwar bin ich bei einem internationalen Arbeitgeber eingestellt, trotzdem ist die Hemmschwelle, mal einen Tag im Bett zu bleiben, hoch. Höher als in Deutschland. Vermutlich liegt dies an dem kulturellen Umfeld hier und dem Wissen, dass meine Symptome für Koreaner eben noch kein Grund sind, das Bett zu hüten. So versuchte ich mich also schnell gesund zu schlafen.

Montag ging es mir nicht viel besser. Natürlich könnte ich arbeiten, mir unter dem Tisch eine Wärmflasche auf den Bauch legen (in Korea gibt es dafür wärmende Pads, die man sich direkt auf die Haut klebt), die Kopfschmerzen so gut es geht ignorieren und zwischendurch zur Toilette flitzen. Aber 7 Stunden unterrichten mit Jugendlichen, die natürlich nicht immer leise sind und die Fragen stellen; denen man schlaue Antworten geben muss? Das kann ich mit Fieber nicht leisten! Ich entschied mich also für den ‚deutschen‘ Weg, rief morgens meinen Arbeitgeber an, bereitete Vertretungsaufgaben vor und verbrachte den Montag im Bett. Alles kein Problem und für mich die vernünftigste Lösung.

Songdo

Und warum bleiben Koreaner selten zu Hause? Fakt ist, dass Koreaner nicht sofort ihren Job verlieren, sollten sie mal einen Tag krank sein. Jedoch ist es schlecht für ihren Ruf und dadurch bedingt auch schlecht für mögliche Aufstiegschancen.

Natürlich ist das grundsätzlich auch in Deutschland so. Krank sein zeigt Schwäche. Wer ständig der Arbeit fernbleibt, der weckt Misstrauen. In Deutschland fängt dieses Gerede allerdings später an: Etwa dann, wenn Jemand „nur“ wegen Kopfschmerzen drei Tage ‚krank macht‚ – und das alle 6 Wochen.

In Korea fängt dieses Gerede viel früher an: Drei Tage krank sein im Jahr etwa. Da braucht es schon einen triftigeren Grund als Grippesymptome. Wer wirklich krank ist, der gehört ins Krankenhaus. Solange man bei sich zu Hause ist, kann man doch genauso gut zur Arbeit gehen…!

Update: Heute (Dienstag) war ich wieder auf der Arbeit – mit Wärmflasche auf dem Bauch. Nach der Arbeit entschied ich mich dazu, einen Arzt in der Nähe aufzusuchen. Die Schmerzen hörten einfach nicht auf und ich hatte seit 3 Tagen kaum etwas gegessen. Sowohl der Arzt als auch die heutige Ärztin diagnostizierten eine Magenschleimhautentzündung. Gastritis ist in Korea übrigens eine sehr häufige Krankheit. Unter den Hauptursachen: Stress.