Zuhause in Seoul

Mittwoch, 14.11.18 Alltagsblog

Nach langer Zeit habe ich mal wieder daran gedacht, einen “Tag aus meinem Leben” zu dokumentieren. Dieses Mal einen richtigen Alltags-Tag.

5:50 Uhr. Aufstehen, fertigmachen, Junis füttern und ca. 30 Minuten mit ihr spazieren gehen. Anschließend frühstücke ich und bereite Junis’ Mittagessen vor. Dieses steht dann für die Hundesitterin im Kühlschrank bereit.

Mittagessen vorbereiten für Junis

7:15 Uhr. Ich laufe zur Arbeit, die zum Glück nur zwei Minuten entfernt ist. 45 Minuten Zeit für letzte Vorbereitungen. In der ersten Unterrichtsstunde habe ich ein Meeting mit meinem Sprach-Department. Anschließend unterrichte ich Klasse 8. 

10:20 Uhr. Vorbereitungsstunde. Heute bin ich flott nach Hause gelaufen, um Junis rauszulassen. Im Anschluss unterrichte ich Schüler der Jahrgänge 7 und 10. 

13 Uhr. Mittagspause! Ich esse Bibimbap von 7/11 und versuche meine To-Do-Liste zu verkleinern. Zu diesem Zeitpunkt kommt Lisa in meine Wohnung. Sie geht mit Junis spazieren und füttert sie, wäscht mein Geschirr, putzt das Badezimmer und saugt Staub.

Klassenzimmer
Kurzer Stopp bei Junis

17 Uhr. Nach einer weiteren Unterrichtsstunde mit Klasse 6, einer Vorbereitungsstunde und einem weiteren Meeting habe ich nun frei! Ich schnappe mir Junis – es ist wunderschönes Wetter und zum Abschalten ist der Spaziergang perfekt. In der Gegend gibt es einen Supermarkt, in welchen ich meinen Hund mit hinein nehmen darf. Dort laufen wir hin und ich kaufe ein. Für die Produkte (Weintrauben, Dr. Oetker Pizza, Biomilch, Marmelade, Schoko-Trüffel und ein Getränk) bezahle ich 24€. Nicht gerade günstig, oder?

18-19:00 Uhr. Eine weitere Stunde arbeiten. Gegen 7 bin ich zu k.o. und ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich bisher so wenig mit Junis gemacht habe. Spontan entschließe ich mich dazu, ein Taxi zur nächsten Hundewiese zu nehmen. Diese hat noch bis 20 Uhr geöffnet, also müssen wir uns beeilen. Die Fahrt kostet gerade einmal 2,50€. Ich nehme das Bällchen und Leckerli mit. Die Hundewiese der ‚kleinen Hunde‘ ist zu dieser Uhrzeit leer. Bis auf eine andere Person mit ihrem Hund sind Junis und ich alleine. Endlich kann sie ohne Leine laufen!

19:30 Uhr. Junis und ich laufen den 30-minütigen Weg zurück nach Hause. Der Spaziergang war eine gute Entscheidung.

bis 22:00 Uhr. Ich gucke noch ein wenig TV, mache mich bettfertig und liege vor 22 Uhr im Bett. 

Heute – Donnerstag – haben die koreanischen Schulen übrigens den landesweiten CSAT-Test. Das ist die Abschlussprüfung, mit deren Note sich die Jugendlichen bei Universitäten bewerben. Mir fiel dies wieder ein, als ich heute Morgen mit Junis spazieren ging: Die öffentliche koreanische Schule in meinem Viertel ist komplett mit Flatterband abgesperrt. Im Dunkeln sah es ein wenig aus wie ein Tatort! Heute darf man das Gebäude nur durch den Haupteingang betreten; dies soll Unruhe in den Gängen verhindern. Vor der Tür standen bereits Schüler der unteren Klassen mit Schildern, um die Ältesten beim Eintreffen zu motivieren. Süß, oder? Nicht so süß ist allerdings der Fakt, dass Türen zu Schuldächern abgeschlossen werden müssen. Dies soll ‚Suizide im Affekt‘ während des Examens verhindern. 

Könnt ihr euch vorstellen, dass man bei unserem Zentralabitur den Flugverkehr eingestellt hätte? Genau dies ist in Korea der Fall – Inlandsflüge sind während der Hörverstehens-Prüfung gestrichen, um Lärm zu reduzieren. Auch ändern viele Firmen ihren Zeitplan, um die Schüler vor der Rush Hour zu schützen. Trotzdem bleiben jedes Jahr ein paar Pechvögel in den morgendlichen Menschenmassen stecken und müssen auf Polizeimotorrädern zur Prüfung eskortiert werden. Es gibt wirklich verrückte Regelungen, welche natürlich noch mehr Druck auf die Schüler ausüben: Immerhin ändert quasi das ganze Land seinen Stundenplan!

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