Zuhause in Seoul

#ausgetauscht

Zum neuen Jahr nahm ich mir vor, umweltbewusster zu leben. Ausschlaggebend war mein Winterurlaub in Deutschland, der mir zeigte, dass Freunde und Familie bei diesem Thema einen Schritt weiter sind. Der Alltag in Seoul ist super bequem und luxuriös – nahezu alles hat 24 Stunden pro Tag und 365 Tage im Jahr geöffnet. Bis zum nächsten Supermarkt sind es nur ein paar Stockwerke.

In Deutschland nahm ich mir Großes vor: „Weniger Plastik“ war das selbst ernannte Hauptziel. Zurück in Korea dann die Ernüchterung: So leicht ist es nicht. Plastik ist überall. ÜBERALL. Und da das Umweltthema nicht so präsent ist, gibt es kaum Alternativen.

Den ‚Konsumrausch‘ in Korea sollte man aber nicht stumpf verurteilen sondern stattdessen hinterfragen, warum das so ist. Innerhalb kürzester Zeit hat das Land diesen riesigen Aufschwung hingelegt; 1960 galt es noch als eines der ärmsten Länder weltweit. Der Luxus will jetzt genossen werden – endlich kann man sich alles leisten. Außerdem ist die Mentalität natürlich eine andere – mit Problemen wird anders umgegangen, es wird einfach anders gedacht. Und zuletzt ist das Hygienebewusstsein ebenfalls anders ausgeprägt.

Diese ‚Hürden‘ musste ich akzeptieren und dennoch hat sich in meinem Alltag einiges verändert. Ihr werdet jetzt denken: Was für kleine Schritte! Aber es ist gar nicht so einfach, diese Schritte im Alltag konsequent einzuhalten.

Plastikstrohhalme und verpacktes Besteck ablehnen. In Korea erhält man sooo viele Strohhalme, Essstäbchen, Löffel und Gabeln. Kaum vorstellbar, wie viel Plastik allein dadurch im Müll landet.

Feste Seife benutzen. Haarwaschseifen habe ich ausprobiert, aber mein Haar gewöhnt sich leider nicht an die neuen Produkte. Bodylotion und Rasierschaum konnte ich jedoch durch eine feste Seife ersetzen.

(Fernziel:) Keine Gratisprodukte mehr annehmen. Dies ist der schwierigste Punkt, weil ich die Verkäufer vor den Kopf stoße. Mein ablehnendes Verhalten – wenn auch so freundlich wie möglich – wirkt kulturell gesehen sehr rabiat. Normalerweise nehme ich die Geschenke deshalb an und verschenke sie an Bekannte in Deutschland. Aber es ist wirklich sehr viel Plastikmüll, der durch koreanischen Service entsteht. Die unten abgebildeten Proben erhielt ich alle, als ich für knapp 12€ einkaufte.

Plastiktüten ablehnen. Auch dann, wenn ich Kleidung oder Accessoires kaufe. Gemüse und Obst (Bananen, Zitrone) lege ich wenn möglich lose auf das Kassierband, obwohl dies in Korea als unhygienisch erachtet wird. Taemin beäugte mein Verhalten anfangs sehr misstrauisch – er empfand es leider auch als unhygienisch. Seit mein Freund mit mir in Deutschland war, hat sich seine Einstellung geändert. Meine Familie hat ihn bekehrt :D. Leider sind 90% aller frischen Zutaten in Seoul von vornherein doppelt und dreifach verpackt. Abgesehen davon wird so gut wie jede Frucht importiert – das Problem dürfte man in Deutschland aber auch haben.

Stofftaschentücher verwenden. Simpel, oder? Es gibt sie mit richtig hübschen Motiven!

Stoffbinden verwenden. Seit neuestem verkauft Olive Young (sozusagen der dm Koreas) Stoffbinden. Ich war total überrascht, die hier zu finden – sogar komplett designed und produziert in Korea. Von meinen deutschen Freundinnen weiß ich, dass viele bereits den Einwegbinden ‚Adieu‘ gesagt haben. Warum es nicht wenigstens mal ausprobieren? Im Internet gibt es informative Artikel zu dem Thema.

Das sieht alles easy aus, oder? Trotzdem vergaß ich in den ersten Wochen ständig den Jutebeutel oder hielt plötzlich einen Strohhalm in den Händen. Der gute Wille zählt. Ich werde auch weiterhin Fernreisen unternehmen, um meine Familie zu sehen. Aber mit offenen Augen durch die Welt gehen und tun was man kann, das hat noch keinem geschadet!