Zuhause in Seoul

Achtung, schlechte Luft!

Gestern dröhnte eine Stimme aus dem Lautsprecher in meiner Wand und sagte mir, ich solle nicht nach draußen gehen. Befehle, die durch Lautsprecher in die Wohnungen ausgestrahlt werden, assoziiert man eher mit Nordkorea als mit dem Süden, aber wir leben mit ihnen auch hier in Seoul. Durch die Lautsprecher werden nicht die mitreißenden Worte des großen Führers geleitet, sondern Informationen über Renovierungsarbeiten auf der einen oder anderen Etage und Aktualisierungen zu den sich ständig verändernden Müllentsorgungsrichtlinien. Manchmal warnen sie auch vor schlechten Lufttagen.

Zu blöd, dass ich arbeiten musste – genau so wie die gesamte Bevölkerung Koreas. Auf der Arbeit waren alle Filter in den Klassenräumen ROT. Es ist also beinahe egal, ob man sich draußen oder drinnen aufhält – vor dem Feinstaub gibt es kein Entkommen.

Während man in Paris ab einem AQI*-Wert von 80 eine Vielzahl an Autos in der Innenstadt verbietet, lag unser AQI gestern bei 268 und es gab keine Einschränkung im Verkehr (in Paris lag er gestern übrigens bei 54). *AQI = Air Quality Index

Heute ist die Luftqualität sogar noch schlechter. Und das beinhaltet nicht einmal den Yellow Dust, welcher typischerweise im März und April zu erwarten ist! Der gelbe Feinstaub kommt bald noch hinzu.

Warum wird Seouls Luft so schlecht? Zeitweise hat man einfach China die Schuld gegeben. Eine ständig wachsende Zahl offiziell ungesunder Tage im Jahr führte jedoch zu strengeren Analysen, zuletzt in Partnerschaft mit Wissenschaftlern der NASA. Die Untersuchungen zeigen, dass etwa die Hälfte der in Südkorea eingeatmeten Verschmutzung aus Quellen innerhalb des eigenen Landes stammt, sei es von Fahrzeugen, Fabriken oder Kraftwerken.

Tja. Mehr weiß ich nicht zu sagen. Menschen werden dazu angehalten, Masken mit Filter zu tragen. Ansonsten läuft alles jedoch wie immer  – es sind ja nur ein paar Tage im Jahr.

Mein kleiner Hund hustet heute plötzlich, also verspürt vermutlich auch sie ein Kratzen im Hals. Weitere Symptome, die ich regelmäßig bei hohen AQI-Werten feststelle: Trockene Augen, Kopfschmerzen sowie schlechtere Haut. 

Zu den Masken: Sie werden zwar überall angeboten, aber man kauft schnell die Falsche. Wichtig ist der KF-Wert. Je höher die Zahl, desto besser. KF94 ist die höchste Zahl, die man in den gängigen Läden findet. Diese Maske filtert ca. 94% der Feinstaubpartikel. Wobei, ganz ehrlich, ich bin da etwas skeptisch. Keine dieser Masken sitzt perfekt… NICHT geeignet sind jegliche Stoffmasken. Die werden in Korea für andere Zwecke getragen, z.B. gegen Kälte, gegen Sonneneinstrahlung oder wenn man selbst erkältet ist und seine Mitmenschen nicht versehentlich anhusten möchte.