Seoullife

Mangwon Market

Mangwon Market ist ein lokaler, traditioneller Markt. Durch die unmittelbare Nähe zu Hapjeong ist es einfach, dort vorbeizuschauen, etwas zu essen und weiterzuziehen.

Als ich 2015 für 3 Monate in Busan lebte, wohnte ich sozusagen in einem solchen Markt (Seodong Market). Hier in Seoul verschlägt es mich nicht mehr so häufig auf die lokalen Märkte, was eigentlich schade ist. Mir geht es wie vielen Einwohnern Seouls; der nächste Homeplus ist schneller zu erreichen, hat insgesamt mehr internationale Auswahl und die hygienischen Bedingungen erscheinen mir – besonders bei Fleisch, Eiern, Fisch – sicherer.

Blick in die Marktstraße
Seit März der totale Renner – kandierte Erdbeeren
traditionelle Snacks

Kurze Anekdote, passend zum Thema: Ich weiß noch genau, wie wir damals in Busan ankamen. Wir hatten ein kurzes ‚Training‘ in Seoul erhalten, ich litt noch unter dem Jetlag und den warmen Temperaturen, wir hatten gerade fünf Stunden Busfahrt hinter uns. Ich verstand kein Wort, war übermüdet und die Mücken attackierten mich. Das Erste was unser ‚Chef‘ an diesem Abend tat, war, uns auf den Seodong Market zu führen. Ganz ehrlich – die Gerüche und Anblicke hauten mich in dem Moment fast um. Das war dann wohl der Kulturschock!

Was mir in solchen Momenten im Ausland hilft, ist Folgendes: Immer wenn ich mich bei Gedanken wie ‚Ihh, das riecht aber komisch.‘, oder ‚Das sieht merkwürdig aus.‘, oder ‚Wie eklig!‘, ertappe, sage ich mir: Es ist nicht komisch/merkwürdig/eklig. Es ist anders. Mit dieser Denkweise kann ich echt viel tolerieren. Man muss nicht alles ‚verstehen‘ oder gar gut finden, aber man sieht es eben nur aus seiner kulturellen Perspektive.

traditionelle Snacks
Obst

Bestes Beispiel: Viele Koreaner rotzen auf den Boden. Laut. Sie ziehen die Rotze hoch, machen dabei ein rrrhhh-Geräusch und der gelbe Schleim landet auf dem Asphalt. Dieses Geräusch hat mir monatelang einen Schauder über den Rücken gejagt. Ist es eklig? Aus meiner Sicht: Ja!! Kann ich es ändern? Nein. Lohnt es sich also, sich jedes Mal darüber aufzuregen? Nö.

In ein richtiges Fettnäpfchen kann man dagegen in Korea treten, wenn man sich in der Öffentlichkeit geräuschvoll mit einem Taschentuch die Nase schnaubt. Ist es eklig? Aus meiner Sicht: Nein. Aus Sicht der meisten Koreaner: Ja.

Muss ich verstehen, warum ‚laut auf die Straße rotzen‘ gesellschaftlich akzeptiert wird, ‚laut in ein Taschentuch schnauben‘ jedoch verpönt ist?: Nein. Vermutlich ist es einfach eine Gewohnheit, die über viele Generationen so weitergetragen wurde. Insgesamt ist aber eins sicher: Ich brauche meine Energie nicht dafür zu verschwenden, mich darüber aufzuregen. Es ist einfach anders. 🙂

scharf marinierte Hühnerfüße
Koreanische Variante der Schweinshaxe 😉
rechts: Pfannkuchen mit Mungobohnen
frittiertes Allerlei

Zurück zum Markt: Heute bleibe ich nicht mehr vor jedem Wasserbottich stehen, um die dadrin gestapelten Krabben zu bemitleiden und vom strengen Knoblauchgeruch wird mir nicht mehr schlecht. … Es hat aber wirklich seine Zeit gedauert, bis sich der lokale Marktalltag Koreas ’normal‘ anfühlte.

In über 3 Jahren Seoul bin ich übrigens noch nie von Nahrung krank geworden. Ja, ich probiere fast alles. Meistens frage ich ‚Was ist das?‘, während ich mir das Essen bereits in den Mund schiebe 😛 . Bei rohem Fisch und Fleisch vertraue ich meinem Freund. Ansonsten höre ich auf mein Bauchgefühl.

Fisch & Co

süße Reiskuchen
links mein Favorit 🙂