Meine Gedanken

Großstadt-Geschichte

Oft betone ich, wie sicher Seoul ist. Während meiner 3,5 Jahre in Korea passierte mir nur einmal etwas Gruseliges (2017). Lest selbst:

Es war mitten am Tag. Ich lebte gemeinsam mit einer Koreanischen Freundin in einer winzigen 25-Quadratmeter-Wohnung im modernen Remark VILL Gebäude. Besagte Freundin kam jedoch erst am Abend nach Hause. Die Eingangstür zu unserem Haus konnte man nur mit einer Keycard öffnen – bei mehreren hundert Menschen, welche in einem Gebäude wohnen, kommt es jedoch öfter vor dass Jemand vor einem gerade diese Tür öffnet.

So war es bei mir: Ich öffnete die Tür, ein Mann mittleren Alters trat hinter mir ein. Ich beachtete ihn nicht weiter. Wir nahmen den gleichen Fahrstuhl und er stieg in meiner Etage aus. In der 8. Etage gab es etwa 15 Apartments, also wunderte ich mich nicht. 

Beim Ausstieg aus dem Fahrstuhl begann er, mit mir zu sprechen. Er fragte, ob ich Studentin sei. Ich verneinte und antwortete, dass ich in Seoul arbeiten würde. Als er merkte, dass ich vor meiner Tür verlangsamte, wurde er ebenfalls etwas langsamer. In diesem Moment kam mir der Gedanke, dass der Typ gar nicht hier lebt. Es war ein ganz komisches Gefühl, ich war jedenfalls sofort in Alarmbereitschaft.

Dann das: Der Mann steuerte die nächste Wohnungstür an und tat so, als suche er seine Keycard. Mir war klar, dass er diese Tür nicht öffnen würde – hier lebte ein junges Pärchen. Ich stoppte – vor diesem Fremden würde ich meine Tür nicht öffnen. Zu hoch erschien mir das Risiko, dass er sich Zugang verschaffen wollte. Ohne noch etwas zu sagen, lief ich so selbstbewusst und schnell wie möglich den Flur zurück zum Aufzug. Glücklicherweise stoppte der noch an meinem Stockwerk.

Unten in der Lobby rief ich Taemin an. Leider sprach der Security Guard nämlich kein Englisch und ich kein Koreanisch. Während des Gesprächs spazierte der Fremde an uns vorbei und verließ das Gebäude. Taemin übersetzte das Geschehen, nachdem ich es in allen Einzelheiten aufgeschrieben hatte, und ich zeigte es der Security. Aber es war ja nichts passiert… Ich informierte meine Mitbewohnerin und blieb auch in den folgenden Wochen wachsam. Was ich mit der Geschichte aussagen will? Hört auf euer Bauchgefühl, wenn euch etwas komisch vorkommt. Und auch wenn ich sage, dass Seoul unglaublich sicher ist, heißt das nicht, dass ich meine Getränke im Club unbeaufsichtigt lasse.

Bei einem ähnlichen Vorfall wurde ein Mann übrigens dieses Jahr in Seoul wegen versuchter Vergewaltigung verurteilt – obwohl er ebenfalls vor der Tür stoppte und die Frau nie berührt hat. Hier gibt’s mehr Infos (es war recht groß in den Medien).

Zuletzt noch eine Story aus meinem jetzigen Alltag. Jeden Dienstag und Donnerstag kommt meine Haushälterin Lisa. Sie führt Junis aus und erledigt Kleinigkeiten, welche der wöchentliche Reinigungsdienst nicht macht: zum Beispiel Geschirr spülen und Wäsche abhängen. Da ich arbeite, lege ich ihr das Geld sowie eine kleine “Danke”-Nachricht auf den Tisch. 

Vor einigen Wochen schrieb Lisa mir, dass ich wohl das Geld vergessen hätte. Ich war verwirrt – ich hatte das Geld morgens auf den Tisch gelegt.

Eine “Täterin” war schnell gefunden: Die Reinigungskraft! Sie kommt einmal wöchentlich (Montag oder Dienstag), um meine Handtücher zu wechseln, Staub zu saugen usw. Bezahlt wird diese Frau allerdings über meine Miete. Ich konnte der Dame nicht komplett böse sein – sie hatte eben den “Danke”-Zettel mit dem Geld gesehen und dieses als vermeintliches Trinkgeld eingesteckt (wobei sie das vertraglich gesehen nicht darf).

Die Moral von der Geschicht’? Ganz simpel: Nun schreibe ich “Dankeschön, LISA”, und außerdem liegt das Bargeld für meine Haushälterin nicht mehr offen auf dem Tisch herum. Seitdem gibt es keine “Diebstähle” mehr :).

Song des Monats Oktober: ZICO – Human