Meine Gedanken

Mai 2020 Buchrezension

Natürlich favorisiere ich gewisse Genres, aber bereits nach diesen zwei Monaten mit dem Kindle merke ich, dass es gut tut, außerhalb der eigenen “Komfortzone” zu lesen. Chick-Lit werdet ihr bei mir jedoch nicht so häufig finden 😛 Damit geht es jetzt allerdings los:

The Proposal von Jasmine Guillory las ich diesen Monat für unseren Buchklub. Es ist eine typische Chick-lit und wurde genau aus diesem Grund ausgesucht. Sprachlich ist das Buch einfach – wir witzelten darüber, ein Trinkspiel zu machen: “Trinke immer dann, wenn ein Charakter lacht oder grinst.”. Die Personen tun das auf jeder verdammten Buchseite, was mMn nicht gerade eine begabte Autorin ausmacht. Vielleicht verleitet das Leben in Los Angeles – dem Ort des Geschehens – allerdings auch zum Dauergrinsen, wer weiß. Positiv am Buch ist die Diversität, wenngleich es sprachlich platt umgesetzt ist (es wird ständig betont, wer welche Hautfarbe und Sexualität hat).

Normalerweise hätte ich das Werk nach zwanzig Seiten weggelegt. Weil ich es für den Buchclub lesen ‚musste‘, lautet mein Fazit: “Es ist das schlechteste Buch, welches ich jemals zu Ende gelesen habe.”. Gelesene Sprache: Englisch. Empfehlung: 1/10.

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Die Unsterblichkeit der Henrietta Lacks von Rebecca Skloot ist ebenfalls ein Werk, auf welches ich nie von selbst gekommen wäre. HeLa-Zellen haben Millionen Menschen das Leben gerettet. Doch niemand kennt die Frau, von der sie stammen: Henrietta Lacks. Eine Freundin empfahl mir das Werk, nachdem ich meinte, dass ich gerne Geschichten über wahre Ereignisse lese. Im medizinischen oder wissenschaftlichen Bereich hätte ich jedoch nie gesucht. Die Autorin kombiniert erfolgreich die wissenschaftlichen Hintergründe sowie die Darstellung des persönlichen Schicksals der Familie Lacks. An manchen Stellen ist das Buch etwas langatmig. Ich empfehle es trotzdem weiter, denn es ist eine außergewöhnliche, sorgfältig recherchierte Geschichte. Gelesene Sprache: Deutsch. Empfehlung: 7/10.

Dancing with a porcupine von Jennie Lynn Owens handelt über den Familienalltag der Autorin mit drei traumatisierten Adoptivkindern. Mein erster Gedanke war: “Wieso tut man sich sowas an?”. Und tatsächlich wirken die ersten beschriebenen Jahre der Autorin mehr als naiv – das reflektiert sie auch selbst so. Gerade, als es mit 2(!) der Kinder gut läuft, holen sie sich noch einen dritten Fall dazu und der Junge bringt das Fass endgültig zum Überlaufen; die Kinder schmieren ihre Fäkalien an die Wände, blamieren die Adoptiveltern bewusst in der Öffentlichkeit und schrecken auch vor Gewalt nicht zurück. 

Faszinierend an dem Buch fand ich die sich langsam bemerkbar machende Besserung der Situation. Jennie und ihr Mann können nicht aufgeben – sie haben die Kinder adoptiert – und müssen nun mit der Situation klar kommen. Ich denke, jeder kennt solche Lebensphasen: Manchmal kommt Aufgeben einfach nicht in Frage, denn was ist die Alternative? Egal, was einen gerade beschäftigt: Wie bei Jennie ist es so wichtig, zurückzublicken und sich daran zu erinnern, wie weit man gekommen ist. Gelesene Sprache: Englisch. Empfehlung: 6/10.